Synthetischer Alexandrit – im Labor erzeugter Chrysoberyll
Aussehen & Eigenschaften
Synthetischer Alexandrit ist im Labor hergestellter Chrysoberyll und besitzt im Wesentlichen dieselbe chemische Zusammensetzung und Kristallstruktur wie natürlicher Alexandrit. Sein charakteristischer Farbwechsel reicht meist von Grün oder Blaugrün bei Tageslicht bis zu Rot, Purpurrot oder Himbeertönen unter Glühlampenlicht. Ursache ist die Absorption bestimmter Wellenlängen durch Chrom. Der Effekt ist nicht mit Chatoyance, dem beweglichen Lichtband eines Katzenauges, zu verwechseln. Das Material kann durchsichtig bis durchscheinend sein und Pleochroismus zeigen: Je nach Blickrichtung erscheinen unterschiedliche Farben. Chrysoberyll erreicht etwa 8,5 auf der Mohs-Härteskala und besitzt keine ausgeprägte Spaltbarkeit. Dadurch ist er alltagstauglich; Einschlüsse und die Stärke des Farbwechsels hängen vom Herstellungsverfahren ab.
Geschichte & Entdeckung
Natürlicher Alexandrit wurde um 1830 im russischen Ural entdeckt, in einem Gebiet, das für seine Smaragdvorkommen bekannt war. Dem Mineralogen Nils Gustaf Nordenskiöld wird die Erkennung des ungewöhnlichen Materials meist zugeschrieben, auch wenn frühe Berichte Einzelheiten unterschiedlich darstellen und die genaue Chronologie der Namensgebung nicht gesichert ist. Der Name Alexandrit wurde mit dem späteren russischen Kaiser Alexander II. und mit dem Wechsel von Grün zu Rot verbunden, der an die kaiserlichen Farben erinnerte. Die Seltenheit natürlicher Kristalle gab im 20. Jahrhundert Anlass, farbwechselnden Chrysoberyll künstlich zu züchten. Dafür wurden unter anderem Fluxverfahren und Kristallzüchtung aus der Schmelze entwickelt. Synthetischer Alexandrit ist echter, im Labor gewachsener Chrysoberyll – nicht einfach gefärbtes Glas oder eine andere Imitation.
Vorkommen
Synthetischer Alexandrit kommt nicht in geologischen Lagerstätten vor, sondern wird unter kontrollierten Bedingungen im Labor gezüchtet. Ausgangsstoffe und Wachstumsverfahren können Kristalle erzeugen, die natürlichen Steinen ähneln; daraus lässt sich jedoch keine Mine als Herkunft ableiten. Bedeutende Fundgebiete des natürlichen Alexandrits sind das historische Tokowaja-Gebiet im russischen Ural, Sri Lanka sowie Vorkommen in Brasilien, Tansania, Simbabwe und Madagaskar. Farbe, Reinheit und Stärke des Farbwechsels können zwischen diesen Regionen stark variieren. Das Aussehen allein beweist die Herkunft eines Steins nicht. Synthetisches, natürliches und behandeltes natürliches Material müssen deshalb gemmologisch getrennt bestimmt und bezeichnet werden.
Berühmte Beispiele & Wissenswertes
Ein gut dokumentiertes Vergleichsbeispiel ist ein 65,08 Karat schwerer, facettierter natürlicher Alexandrit in der National Gem Collection des Smithsonian. Er wird häufig zu den größten öffentlich gezeigten Schliffen gezählt. Dieser Stein ist natürlich und darf nicht mit synthetischem Alexandrit gleichgesetzt werden. Wissenswert ist, dass der Farbwechsel stark von der Lichtquelle abhängt. Tageslicht mit einem hohen Anteil an Blau- und Grünwellenlängen lässt den Stein grün erscheinen; warmes Glühlampenlicht mit mehr Rotanteilen bringt rote oder purpurfarbene Töne hervor. Ein schöner Farbwechsel muss daher nicht aus zwei völlig gegensätzlichen Farben bestehen: Häufig entstehen fließende Übergänge und Mischfarben.
Schmuck & Verwendung
Synthetischer Alexandrit eignet sich für Ringe, Ohrringe, Anhänger und anderen Schmuck. Häufig werden ovale, kissenförmige oder runde Schliffe sowie Mischschliffe gewählt, die den Farbwechsel gut sichtbar machen. Facettenanordnung, Grundfarbe und Blickrichtung beeinflussen das Ergebnis. Mit einer Härte von etwa 8,5 und guter Zähigkeit ist Chrysoberyll für regelmäßiges Tragen geeignet. Harte Stöße können jedoch Facettenkanten absplittern oder die Fassung beschädigen. Zur Reinigung genügen lauwarmes Wasser, milde Seife und eine weiche Bürste. Temperaturschocks, aggressive Chemikalien und Scheuermittel sollten vermieden werden. Dampf- und Ultraschallreinigung sind nur sinnvoll, wenn Stein und Fassung dafür geeignet sind. Synthetische Steine, behandelte Natursteine und Imitationen sind unterschiedliche Materialgruppen.
Symbolik, Astrologie & Tradition
Alexandrit gilt heute vielfach als alternativer Geburtsstein für den Juni und wird traditionell mit dem 45. Hochzeitstag verbunden. In der russischen Geschichte wurde sein Farbwechsel von Grün zu Rot mit kaiserlichen Farben und nationaler Symbolik in Verbindung gebracht. Moderne Schmucktraditionen deuten ihn manchmal als Sinnbild für Wandel, Anpassungsfähigkeit oder den Ausgleich von Gegensätzen. Das sind symbolische Deutungen, keine wissenschaftlich nachgewiesenen Eigenschaften. Auch astrologische Zuordnungen zu Tierkreiszeichen fallen je nach Quelle unterschiedlich aus; eine allgemein verbindliche Regel gibt es nicht. Behauptungen über Heilkräfte oder energetische Wirkungen gehören in den Bereich esoterischer Vorstellungen und Folklore und sind nicht medizinisch belegt. Auch ein synthetischer Stein kann diese Symbolik tragen, ist aber kein Naturstein.